online-trading.at

Was Online-Trading in Österreich wirklich kostet

Eine Order über 5.000 Euro kostet je nach Depot zwischen 0,99 und 13,49 Euro, also das Dreizehnfache. Auf den Gewinn kommen 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer - ohne Freibetrag, anders als in Deutschland. Und die laufenden 0,20 Prozent Fondskosten summieren sich über 30 Jahre auf einen fünfstelligen Betrag.

Diese drei Größen entscheiden über das Ergebnis stärker als die Auswahl der einzelnen Aktie. Sie lassen sich exakt berechnen.

27,5 %KESt auf Dividenden und Kursgewinne, kein Freibetrag
31 %der Menschen in Österreich ab 16 halten Wertpapiere
9,08 %MSCI World, annualisiert seit Ende 1987 (Bruttoindex, USD)
74-89 %der Kleinanlegerkonten verlieren beim CFD-Handel Geld

Alle Konditionen und Rechtsstände: September 2026

Kapitel 1

Die fünf Kostenblöcke einer Wertpapierorder

Wer eine Order aufgibt, zahlt selten nur einen Preis. Der Betrag, der am Ende auf der Abrechnung steht, setzt sich aus bis zu fünf Positionen zusammen, von denen zwei in keiner Werbung stehen und eine nirgends als Gebühr auftaucht.

Die Reihenfolge nach Sichtbarkeit ist ungefähr das Gegenteil der Reihenfolge nach Bedeutung. Die Ordergebühr steht groß auf jeder Startseite. Der Spread, der bei einem marktengen Wert ein Vielfaches davon kosten kann, steht nirgends. Genau deshalb lohnt es sich, die Blöcke einzeln durchzugehen.

Block 1: Die Ordergebühr der Bank

Das ist der Betrag, den das Institut für die Ausführung verlangt. Drei Modelle sind in Österreich verbreitet. Ein Fixpreis pro Order, wie ihn Trade Republic mit 1 Euro und Flatex mit 5,90 Euro für Wien und Deutschland ansetzen. Eine Kombination aus Grundgebühr und Prozentsatz, das klassische Bankenmodell: DADAT verlangt an der Wiener Börse 3,90 Euro plus 0,10 Prozent, gedeckelt bei 49,95 Euro. Oder eine Staffel nach Ordergröße, wie sie die easybank fährt, mit 4,95 Euro bis 3.000 Euro Ordervolumen und 19,95 Euro zwischen 10.000 und 25.000 Euro.

Die Modelle verhalten sich völlig unterschiedlich, je nachdem wie groß und wie häufig gehandelt wird. Ein Fixpreis von 5,90 Euro ist bei einer 500-Euro-Order teuer, nämlich 1,18 Prozent, und bei einer 20.000-Euro-Order ausgesprochen günstig, nämlich 0,03 Prozent. Ein Prozentmodell ohne Deckel dreht dieses Verhältnis um.

Block 2: Die Fremdspesen

Fremdspesen sind die Kosten, die Börse, Makler und Abwicklungsstelle verrechnen und die die Bank durchreicht. Sie erscheinen in Preisverzeichnissen oft in einer eigenen Tabelle, weit hinter den Ordergebühren, und werden beim Vergleich regelmäßig vergessen.

Bei Flatex kostet eine Order an der Wiener Börse ab 1,80 Euro zusätzlich, an der Xetra ab 1,98 Euro und über Tradegate ab 0,85 Euro. Bei DADAT liegen die Fremdspesen für Wien bei 0,03 Prozent mit mindestens 1,80 Euro und höchstens 70 Euro, für Xetra bei 0,015 Prozent zwischen 1,95 und 15 Euro. Trade Republic verrechnet eine pauschale Fremdkostenpauschale von 1 Euro, was den beworbenen 1-Euro-Preis pro Order faktisch verdoppelt.

Bei kleinen Ordern verschiebt dieser Block das Verhältnis erheblich. Eine 1.000-Euro-Order über die Wiener Börse kostet bei DADAT 4,90 Euro Provision und 1,80 Euro Fremdspesen, zusammen 6,70 Euro. Mehr als ein Viertel davon behält nicht die Bank, sondern fließt an Börse und Abwicklung.

Block 3: Der Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, also zwischen dem Preis, zu dem jemand kaufen will, und dem Preis, zu dem jemand verkaufen will. Er ist keine Gebühr, sondern ein Marktphänomen - und trotzdem ökonomisch der wichtigste Kostenblock, weil er bei jedem Kauf und jedem Verkauf anfällt und niemand ihn auf einer Abrechnung ausweist.

Bei einem ATX-Schwergewicht während der Haupthandelszeit sind das Bruchteile eines Prozents. Bei einer marktengen Nebenwertaktie im Direct Market oder bei einem exotischen ETF außerhalb der Referenzzeiten sind ein bis zwei Prozent möglich. Wer einen ETF mit 1,5 Prozent Spread kauft und wieder verkauft, hat drei Prozent verloren, bevor irgendeine Kursbewegung stattgefunden hat. Zum Vergleich: die Ordergebühr lag im selben Beispiel vielleicht bei 0,06 Prozent.

Der Preis eines Handelsplatzes hat zwei Teile

Handelsplätze wie gettex oder Tradegate verzichten auf eigene Entgelte und verdienen am Spread. Xetra verrechnet Entgelte, bietet dafür bei deutschen Standardwerten und großen ETFs meist die höchste Liquidität. Die richtige Frage lautet deshalb nicht, wo die Ordergebühr am niedrigsten ist, sondern wo Gebühr und Spread zusammen am niedrigsten sind. Bei kleinen Ordern gewinnt oft der gebührenfreie Platz, bei großen der liquide.

Block 4: Die Depotgebühr

Sie fällt unabhängig davon an, ob gehandelt wird. Bei den Neobrokern und einigen österreichischen Direktbanken liegt sie bei null: Flatex führt Konto und Depot kostenlos, Trade Republic ebenfalls, DADAT streicht sie für Privatkunden ab Jänner 2027 vollständig, die easybank verzichtet für Neukunden im Aktionszeitraum bis Ende 2028 darauf.

Wo sie anfällt, ist sie prozentual - und damit im Zeitverlauf die teuerste aller Positionen. Die Erste Bank verlangt seit 4. Mai 2026 auf Depotwerte über 50.000 Euro 0,216 Prozent pro Jahr inklusive Umsatzsteuer, unterhalb dieser Schwelle nichts. Bei easybank und Bank Direkt sind es 0,12 Prozent jährlich. Auf ein Depot von 200.000 Euro sind 0,216 Prozent 432 Euro im Jahr, ohne dass eine einzige Order stattgefunden hat.

Block 5: Währungsumrechnung und laufende Produktkosten

Wer eine US-Aktie in Dollar kauft, zahlt einen Umrechnungsaufschlag, der bei den meisten österreichischen Anbietern zwischen 0,25 und 1 Prozent liegt und im Preisverzeichnis unter Devisenkurs oder Umrechnungsspanne firmiert. Und jeder Fonds und jeder ETF verrechnet laufende Kosten, die TER, die täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen werden. Sie erscheinen nie auf einer Abrechnung, weil sie schon im Kurs stecken.

Ein breiter Welt-ETF liegt bei 0,12 bis 0,25 Prozent pro Jahr, ein aktiv verwalteter Aktienfonds bei 1,5 bis 2 Prozent. Über eine Anlagedauer von 30 Jahren ist dieser Unterschied größer als sämtliche Ordergebühren eines aktiven Anlegerlebens zusammengenommen.

Ordergebühren nach Ordervolumen

Provision und Fremdspesen für eine einzelne Kauforder an der Wiener Börse beziehungsweise über Xetra

Kurswert ohne Spesen

Fremdspesen unterscheiden sich je Platz

Für die Jahressumme

Trade Republic
1,00 € Order plus 1,00 € Fremdkostenpauschale · 0,04 % des Volumens
2,00 €
Scalable Free Broker
Fixpreis, nicht steuereinfach · 0,02 % des Volumens
0,99 €
Interactive Brokers
0,05 % zuzüglich Gebühren Dritter, nicht steuereinfach · 0,05 % des Volumens
2,50 €
DADAT
Provision plus Fremdspesen · 0,21 % des Volumens
10,70 €
Flatex Österreich
Fixpreis plus Fremdspesen · 0,16 % des Volumens
7,90 €
easybank
Staffelpreis inklusive Spesen · 0,20 % des Volumens
9,95 €
Erste Bank / George
Grundgebühr plus Prozentsatz · 0,27 % des Volumens
13,49 €
Günstigster Anbieter je OrderScalable Free Broker, 0,99 €
Teuerster Anbieter je OrderErste Bank / George, 13,49 €
Unterschied bei 12 Orders im Jahr150,00 €
Jahreskosten beim günstigsten Anbieter11,88 €

Berechnet aus den veröffentlichten Preisverzeichnissen, Stand September 2026. Ohne Depotgebühr, ohne Spread, ohne Währungsumrechnung. Bei prozentualen Modellen inklusive Mindest- und Höchstsätzen.

Warum der Vergleich pro Order in die Irre führt

Die Rangfolge der Anbieter dreht sich mit dem Ordervolumen. Bei 500 Euro ist ein Fixpreismodell konkurrenzlos, bei 50.000 Euro schlägt ein gedeckeltes Prozentmodell fast alles andere, weil der Deckel greift, während der Fixpreis linear bleibt - nur eben von einer niedrigen Basis aus.

Entscheidend ist deshalb das eigene Handelsprofil. Drei Muster kommen in der Praxis am häufigsten vor:

Kostenstruktur nach Anlegertyp: welcher Block dominiert
ProfilTypisches VerhaltenDominanter KostenblockWorauf es ankommt
Sparplan-Anleger50 bis 300 Euro monatlich in ein bis drei ETFs, kaum VerkäufeTER und Ausführungsgebühr des SparplansKostenlose Sparplanausführung, niedrige TER; Ordergebühren sind fast irrelevant
Buy-and-hold-AnlegerWenige große Käufe pro Jahr, Haltedauer über JahreDepotgebühr, danach SpreadDepotgebühr bei null oder gedeckelt, liquider Handelsplatz
Aktiver HändlerMehrere Orders pro Woche, oft kleinere PositionenOrdergebühr plus Fremdspesen, multipliziertFixpreis pro Order, niedrige Fremdspesen, Ausführungsqualität

Ein aktiver Händler mit 200 Orders im Jahr zahlt bei 5,90 Euro plus 1,80 Euro Fremdspesen 1.540 Euro jährlich. Bei einem 2-Euro-Modell sind es 400 Euro. Bei einem Depot von 30.000 Euro ist dieser Unterschied allein 3,8 Prozent Rendite pro Jahr - mehr, als die meisten Strategien überhaupt an Vorsprung erwirtschaften.

Der Sparplan-Anleger mit 200 Euro monatlich dagegen merkt vom Unterschied zwischen 5,90 und 2 Euro fast nichts, weil bei ihm die Sparplanausführung zählt: 1 Euro pro Ausführung sind bei 200 Euro Rate 0,5 Prozent, 1,99 Prozent der Rate wären das Vierfache. Die Erste Bank hat genau hier umgestellt und verrechnet seit Mai 2026 statt 1,99 Prozent pauschal 1 Euro pro Ausführung.

Kapitel 2

Der österreichische Brokermarkt 2026

Der Markt hat sich in fünf Jahren stärker verändert als in den zwanzig davor. Die BAWAG hat die Hello bank!, jahrelang Marktführer im heimischen Online-Brokerage, übernommen und ins easybank-Angebot überführt. Trade Republic hat im April 2025 eine österreichische Niederlassung eröffnet und führt seither die KESt automatisch ab. Die Erste Bank hat im Mai 2026 die Depotgebühr für Depots bis 50.000 Euro gestrichen. DADAT lässt sie ab 2027 ganz fallen.

Der Preisdruck kommt von den Neobrokern, und er wirkt. Die Depotgebühr, jahrzehntelang eine verlässliche Ertragsquelle der Banken, ist bei den meisten Anbietern verschwunden. Was blieb, ist ein Unterscheidungsmerkmal, das mit dem Preis nichts zu tun hat und in Österreich schwerer wiegt als alle Gebühren: ob der Anbieter die Steuer selbst erledigt.

Konditionen ausgewählter Anbieter für Anlegerinnen und Anleger mit Wohnsitz in Österreich
Anbieter Order Wien Order Deutschland Fremdspesen Depotgebühr p. a. Sparplan KESt automatisch
Trade Republic 1,00 € pro Order 1,00 € pro Order 1,00 € pauschal 0 € ab 0 € ja, seit 24.04.2025
DADAT 3,90 € + 0,10 % (max. 49,95 €) gettex 3,50 € bis 10,50 € gestaffelt Wien 0,03 % (1,80-70 €), Xetra 0,015 % (1,95-15 €) 0 € ab 01/2027 reguläre Ordergebühr ja
Flatex Österreich ab 5,90 € ab 5,90 € Wien ab 1,80 €, Xetra ab 1,98 €, Tradegate ab 0,85 € 0 € ab 0 € (über 700 Pläne), sonst 1,50 € ja
easybank 4,95 € bis 3.000 €, 9,95 € bis 10.000 €, 19,95 € bis 25.000 €, darüber 0,175 % (max. 69,95 €) 7,95 € bis 3.000 €, 14,95 € bis 10.000 €, 28,95 € bis 25.000 € im Ordertarif enthalten 0,12 % (min. 15 €), für Neukunden bis Ende 2028 entfallend 1,25 €, rund 120 ETFs gratis ja
Erste Bank / George 3,99 € + rund 0,19 % 3,99 € + rund 0,19 % ab 6,90 € im Ausland 0 € bis 50.000 €, darüber 0,216 % 1,00 € pro Ausführung ja
Interactive Brokers 0,05 % (min. 1,25 €, max. 29 €) plus Gebühren Dritter 0,05 % (min. 1,25 €, max. 29 €) plus Gebühren Dritter Börsen-, Clearing- und Regulierungsgebühren separat 0 € vorhanden, Ordergebühr fällt an nein
Scalable Capital 0,99 € im Free Broker 0,99 € im Free Broker, im PRIME+ enthalten je nach Handelsplatz 0 €, PRIME+ 4,99 € monatlich ETF-Sparpläne kostenfrei nein, angekündigt

Quellen: veröffentlichte Preis- und Leistungsverzeichnisse der Anbieter, Stand September 2026. Die Konditionen der Erste Bank und der Sparkassen weichen je nach Institut ab; maßgeblich ist das Konditionenblatt der kontoführenden Sparkasse. Für Interactive Brokers gilt die gestaffelte Preisstruktur; im Festpreismodell beträgt die Mindestgebühr 3,00 Euro.

Warum steuereinfach mehr wert ist als drei Euro Gebühr

Ein Anbieter mit Sitz oder Niederlassung in Österreich ist zum KESt-Abzug verpflichtet. Er berechnet bei jedem Verkauf den steuerpflichtigen Gewinn, zieht 27,5 Prozent ab, führt sie ans Finanzamt ab und rechnet Verluste innerhalb des Jahres automatisch gegen. Das Depot ist damit erledigt, bevor die Steuererklärung überhaupt zur Frage wird.

Bei einem ausländischen Anbieter ohne österreichische Abzugsverpflichtung liegt diese Arbeit beim Anleger. Jeder realisierte Gewinn, jede Dividende, jede ausschüttungsgleiche Ertragsmeldung eines thesaurierenden Fonds muss in der Steuererklärung erfasst werden, üblicherweise über die Beilage E 1kv. Wer 40 Transaktionen im Jahr macht und drei Fonds hält, sitzt daran mehrere Stunden - jährlich, und mit dem Risiko, eine Position zu übersehen.

Die Rechnung, die den Preisvorteil auffrisst

Ein Anbieter, der pro Order 4 Euro weniger verlangt, spart bei 25 Orders im Jahr 100 Euro. Die Steuerberatung für ein Auslandsdepot mit mehreren Positionen kostet regelmäßig ein Vielfaches davon. Wer die Erklärung selbst macht, zahlt in Zeit. Der Preisvorteil eines nicht steuereinfachen Anbieters rechnet sich in der Praxis erst bei sehr großen Depots oder sehr hoher Handelsfrequenz - dort allerdings deutlich, weshalb Interactive Brokers bei professionell orientierten Anlegern trotz des Aufwands seinen Platz hat.

Was ein niedriger Preis nicht ersetzt

Drei Punkte tauchen in keiner Gebührentabelle auf und entscheiden trotzdem über die Alltagstauglichkeit.

Die Ausführungsqualität. Ein Broker, der Orders über einen einzigen Market Maker leitet, liefert bei liquiden Werten praktisch denselben Preis wie die Referenzbörse. Bei marktengen Titeln, in den Randzeiten und in volatilen Phasen entstehen Abweichungen, die den gesparten Euro Ordergebühr mehrfach kosten können. Wer regelmäßig größere Beträge bewegt, sollte den Ausführungspreis stichprobenartig gegen den Referenzkurs prüfen.

Der Umgang mit Kapitalmaßnahmen. Aktiensplits, Bezugsrechte, Fusionen, Spin-offs und Dividenden in Fremdwährung sind der Alltag jedes Depots. Manche Anbieter erledigen das geräuschlos, andere verlangen fristgebundene Weisungen über ein Formular. Wer eine Frist versäumt, verliert reales Geld.

Die Erreichbarkeit im Fehlerfall. Solange alles funktioniert, ist der Support irrelevant. Wenn eine Order hängt, eine Abrechnung falsch aussieht oder eine Steuerbuchung nicht stimmt, ist er das einzige, was zählt. Die Verrechnung der KESt ist auch bei etablierten Anbietern nicht fehlerfrei; falsch behandelte Nichtmeldefonds und fehlerhaft besteuerte Bonusgutschriften kommen vor und müssen korrigiert werden.

Kapitel 3

Kapitalertragsteuer: 27,5 Prozent, kein Freibetrag

Österreich besteuert Kapitalerträge mit zwei Sätzen. Dividenden, Kursgewinne aus Aktien und Fonds sowie Erträge aus Derivaten unterliegen 27,5 Prozent. Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten - Sparbuch, Termineinlage, Girokonto, Bausparen - und Zinsen aus Forderungswertpapieren wie Anleihen werden mit 25 Prozent besteuert. Einen allgemeinen Freibetrag gibt es nicht.

Das ist der Unterschied, der beim Blick über die Grenze am schnellsten auffällt. In Deutschland bleiben pro Person 1.000 Euro Kapitalerträge im Jahr steuerfrei. In Österreich ist der erste Euro Kursgewinn steuerpflichtig wie der zehntausendste. Ein deutscher Ratgeber lässt sich deshalb an dieser Stelle nicht übersetzen, sondern führt in die Irre.

Steuersätze auf Kapitalerträge in Österreich
ErtragsartSatzAbzug durchAnmerkung
Dividenden aus Aktien27,5 %inländische Depotbankbei Auslandsdividenden Anrechnung der Quellensteuer, meist bis 15 Prozentpunkte
Kursgewinne aus Aktien27,5 %inländische Depotbanknur Neubestand, also Kauf ab 1.1.2011
Ausschüttungen von Fonds und ETFs27,5 %inländische Depotbankunabhängig von der Haltedauer
Ausschüttungsgleiche Erträge27,5 %inländische Depotbankjährlich, auch ohne Verkauf und ohne Zahlungsfluss
Gewinne aus Derivaten und Zertifikaten27,5 %inländische Depotbankgilt auch für CFD-Gewinne
Zinsen aus Sparbuch, Konto, Termingeld25 %kontoführende Banknicht mit Wertpapierverlusten ausgleichbar
Zinsen aus Anleihen25 %inländische DepotbankKursgewinne der Anleihe hingegen 27,5 %
Kryptowährungen27,5 %je nach Dienstleisterseit der Reform 2022 den Kapitaleinkünften zugeordnet

Quelle: Bundesministerium für Finanzen, Kapitalerträge im engeren Sinn und Substanzgewinne, abgerufen im September 2026.

Endbesteuerung und die Regelbesteuerungsoption

Führt eine inländische Bank die KESt ab, ist die Steuer damit abgegolten. Der Ertrag muss nicht mehr in die Einkommensteuererklärung, er erhöht auch nicht den Progressionssatz auf das übrige Einkommen. Für die meisten Anlegerinnen und Anleger endet die Steuerfrage hier.

Eine Ausnahme lohnt sich für Menschen mit sehr niedrigem Gesamteinkommen. Wer insgesamt so wenig verdient, dass sein Durchschnittssteuersatz unter 27,5 Prozent liegt, kann die Regelbesteuerungsoption ziehen: Die Kapitalerträge werden dann mit dem persönlichen Tarif versteuert und die bereits abgeführte KESt angerechnet. Für Studierende, Karenzierte und Pensionsbeziehende mit kleiner Pension kann das eine vollständige Rückerstattung bedeuten. Die Option gilt immer für sämtliche Kapitalerträge eines Jahres, nicht für einzelne Positionen.

KESt und Verlustausgleich

Was von einem realisierten Gewinn nach Steuer bleibt, mit Gegenrechnung realisierter Verluste desselben Kalenderjahres

Nur aus Wertpapieren, nicht aus Sparzinsen

Kursgewinn4.000,00 €
Dividenden300,00 €
Ertrag vor Steuer4.300,00 €
Verrechnete Verluste-1.000,00 €
Bemessungsgrundlage3.300,00 €
KESt 27,5 Prozent-907,50 €
Effektive Steuerquote auf den Ertrag21,1 %
Ertrag nach Steuer3.392,50 €

Vereinfachte Darstellung mit 27,5 Prozent auf Kursgewinne und Dividenden. Ohne Anschaffungsnebenkosten, ohne ausländische Quellensteuer, ohne ausschüttungsgleiche Erträge. Keine Steuerberatung.

Verlustausgleich: innerhalb des Jahres, nicht darüber hinaus

Verluste aus Wertpapieren dürfen mit Gewinnen und Dividenden desselben Kalenderjahres gegengerechnet werden. Bei einer inländischen Depotbank passiert das automatisch: Sie führt einen laufenden Verlusttopf, verrechnet unterjährig und erstattet zu viel einbehaltene KESt gutschriftsweise wieder aufs Verrechnungskonto.

Drei Einschränkungen sind wichtig und werden regelmäßig übersehen.

Kein Verlustvortrag ins Folgejahr. Wer im Dezember 8.000 Euro Verlust realisiert und im Jänner darauf 8.000 Euro Gewinn, zahlt auf den Gewinn die volle Steuer. Der Verlust verfällt mit dem Jahreswechsel. Das ist der Grund, warum im Dezember auffällig viele Verlustpositionen glattgestellt werden.

Kein Ausgleich mit Sparzinsen. Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten sind vom Verlustausgleich ausgenommen. Ein Kursverlust aus einer Aktie senkt die Steuer auf das Sparbuch nicht.

Nur innerhalb derselben Bank automatisch. Wer zwei Depots bei verschiedenen Instituten führt, bekommt zwei getrennte Verlusttöpfe. Der Ausgleich über Institutsgrenzen hinweg ist möglich, aber nur über die Einkommensteuererklärung im Wege der Veranlagung - und damit als aktive Handlung.

Altbestand: der Bestandsschutz vor 2011

Kursgewinne aus Aktien und Fondsanteilen, die bis 31. Dezember 2010 gekauft wurden, sind von der Substanzbesteuerung ausgenommen. Bei Anleihen und anderen Forderungswertpapieren liegt der Stichtag beim 31. März 2012. Ausschüttungen und Dividenden dieser Papiere sind trotzdem steuerpflichtig; steuerfrei bleibt allein der Wertzuwachs.

Erbschaft und Schenkung ändern daran nichts: Der Altbestand bleibt Altbestand, weil Anschaffungszeitpunkt und Anschaffungskosten des Rechtsvorgängers übernommen werden. Wer ein altes Depot erbt, sollte diese Eigenschaft dokumentieren, bevor er umschichtet - eine einmal verkaufte Altbestandsposition kommt nicht zurück.

Fonds und ETFs: die ausschüttungsgleichen Erträge

Der komplizierteste Teil des österreichischen Kapitalertragsrechts betrifft ausgerechnet das Produkt, das die meisten Sparpläne füllt. Ein thesaurierender Fonds schüttet nichts aus - er legt die vereinnahmten Dividenden und Zinsen wieder an. Steuerlich wird trotzdem jährlich abgerechnet.

Nach § 186 Abs. 2 InvFG 2011 gelten als ausgeschüttet: die nicht ausgeschütteten Kapitalerträge des Fonds sowie 60 Prozent des positiven Saldos der realisierten Substanzgewinne. Dieser Betrag heißt ausschüttungsgleicher Ertrag und wird mit 27,5 Prozent besteuert, obwohl kein Geld fließt. Bei einer inländischen Depotbank wird die Steuer vom Verrechnungskonto abgebucht.

Damit das funktioniert, muss der Fonds seine steuerlichen Daten an die Meldestelle übermitteln - in der Praxis an die Oesterreichische Kontrollbank. Fonds, die das tun, heißen Meldefonds. Die großen ETF-Anbieter erfüllen das für ihre in Europa aufgelegten Produkte regelmäßig.

Nichtmeldefonds: die Pauschale, die weh tut

Fehlt die Meldung, schätzt das Gesetz. Angesetzt werden dann 90 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem ersten und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis, mindestens aber 10 Prozent des Rücknahmepreises am Jahresende. Das Mindestmaß greift auch dann, wenn der Fonds im betreffenden Jahr gefallen ist: Auf 10.000 Euro Fondswert werden 1.000 Euro fiktiver Ertrag unterstellt und mit 27,5 Prozent besteuert, also 275 Euro - im Verlustjahr. Der Effekt betrifft vor allem in den USA aufgelegte ETFs, die für den europäischen Vertrieb ohnehin kaum verfügbar sind, und einzelne Spezialfonds.

Die versteuerten ausschüttungsgleichen Erträge erhöhen die steuerlichen Anschaffungskosten des Anteils. Beim späteren Verkauf wird dadurch nur der Rest besteuert - eine Doppelbesteuerung entsteht nicht, solange die Anschaffungskosten korrekt fortgeschrieben werden. Genau diese Fortschreibung ist einer der Gründe, warum ein Depotwechsel steuerlich heikel ist.

Depotübertrag: neue Meldepflicht seit 1. Juli 2026

Mit dem Abgabenänderungsgesetz 2025 wurde die Übertragung von Wertpapieren aus einem ausländischen auf ein inländisches Depot neu geregelt. Seit 1. Juli 2026 muss der Steuerpflichtige selbst dem zuständigen Finanzamt innerhalb eines Monats mitteilen, welche Wertpapiere übertragen wurden, welche Anschaffungskosten sie haben und an welche Stelle sie gehen.

Wird diese Frist versäumt, gilt die Übertragung als steuerpflichtige Veräußerung. Die fiktive Veräußerung lässt sich nachträglich nicht mehr beseitigen, und auch eine Selbstanzeige hilft nicht. Wer die tatsächlichen Anschaffungskosten nicht nachweisen kann, bekommt von der übernehmenden Bank pauschale Anschaffungskosten nach § 93 Abs. 4 EStG angesetzt - mit der Folge, dass spätere Gewinne nicht endbesteuert sind und in die Steuererklärung müssen.

Die Frist läuft ab dem Übertrag, nicht ab der Abrechnung

Ein Monat ist knapp, wenn ein Übertrag mehrere Wochen dauert und die Bestätigung erst danach eintrifft. Wer ein Auslandsdepot nach Österreich holt, sollte die Meldung über FinanzOnline vorbereiten, bevor der Übertrag startet, und die Anschaffungsdaten aller Positionen vorher exportieren. Innerhalb Österreichs, zwischen zwei inländischen Depotbanken, übernimmt die abgebende Stelle die Datenweitergabe - dort besteht diese Meldepflicht nicht.

Wegzug aus Österreich

Wer seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, löst grundsätzlich eine Besteuerung der bis dahin aufgelaufenen, nicht realisierten Kursgewinne aus. Bei einem Wegzug in einen EU- oder EWR-Staat kann die Steuer auf Antrag bis zur tatsächlichen Veräußerung aufgeschoben werden. Der Fall betrifft mehr Menschen, als es klingt: Ein beruflicher Wechsel nach München oder Zürich mit einem gewachsenen Depot im Rücken ist genau dieser Fall.

Zur Einordnung: Die Darstellung gibt die Rechtslage in vereinfachter Form wieder und ersetzt keine steuerliche Beratung durch eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater. Für die individuelle Situation, insbesondere bei Auslandsdepots, Altbeständen, betrieblichen Depots oder Wegzugsfällen, ist eine Einzelfallprüfung erforderlich.

Kapitel 4

Handelsplätze, Handelszeiten und Ordertypen

Die Wiener Börse hat im ersten Quartal 2026 einen Aktienumsatz von 26,07 Milliarden Euro erreicht - der höchste Quartalswert seit fünfzehn Jahren. Die Marktkapitalisierung der heimischen notierten Unternehmen lag Ende März bei rund 181 Milliarden Euro. Der ATX Total Return markierte am 18. Februar 2026 mit 14.195,81 Punkten einen Rekordstand.

Für den einzelnen Anleger ist die entscheidende Zahl trotzdem eine andere: die Liquidität des Titels, den er handeln will, zum Zeitpunkt, zu dem er handeln will. Sie bestimmt den Spread, die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Ausführung und die Abweichung vom erwarteten Preis.

Wann in Wien gehandelt wird

Der Handel läuft nicht durchgehend gleich. Er beginnt mit einer Auktion, in der alle vorliegenden Orders zu einem einzigen Eröffnungspreis zusammengeführt werden, wechselt dann in den fortlaufenden Handel und endet wieder mit einer Auktion. In den Auktionen entstehen die Kurse, die als offizielle Eröffnungs- und Schlusskurse gelten - und an denen sich Fonds- und Indexbewertungen orientieren.

Handelsablauf für ATX-Werte an der Wiener Börse
PhaseZeitWas passiert
Vorhandel08:00 - 08:55Orders können eingestellt, geändert und gelöscht werden, es kommt zu keiner Ausführung
Eröffnungsauktion08:55 - 09:00Ermittlung des Eröffnungskurses mit dem höchsten ausführbaren Volumen
Fortlaufender Handel09:00 - 12:00Laufender Abgleich von Kauf- und Verkaufsorders
Untertägige Auktion12:00 - 12:03Kurze Unterbrechung, Sammlung und Zusammenführung der Orders
Fortlaufender Handel12:03 - 17:30Hauptphase, ab Nachmittag mit Überschneidung zu den US-Börsen
Schlussauktion17:30 - 17:35Ermittlung des Schlusskurses
Trade at Close17:35 - 17:45Handel zum bereits festgestellten Schlusskurs
Nachhandel17:45 - 17:50Ordereingabe für den Folgetag

Quelle: Wiener Börse, Handelszeiten im Equity Market. Für Prime Market außerhalb des ATX, Standard Market und Direct Market gelten teils abweichende Auktionszeiten. Börsefeiertage ohne Handel: 26. Oktober, 24., 25. und 31. Dezember.

Die praktische Konsequenz: Wer um 8:30 Uhr eine unlimitierte Order eingibt, handelt nicht sofort, sondern nimmt an der Eröffnungsauktion teil und akzeptiert deren Preis. Die erste Handelsviertelstunde und die letzte halbe Stunde sind die volatilsten Phasen des Tages, weil dort die über Nacht aufgelaufenen Informationen verarbeitet werden. Für eine Order ohne Limit sind das die ungünstigsten Zeitfenster.

Welcher Handelsplatz für welchen Zweck

Handelsplätze im Vergleich, aus Sicht österreichischer Privatanleger
PlatzStärkeKostenlogikSinnvoll für
Wiener BörseReferenzmarkt für alle österreichischen Aktien, höchste Liquidität bei ATX-WertenFremdspesen ab etwa 1,80 Euro, prozentual gedeckeltÖsterreichische Einzelaktien, unabhängig von der Ordergröße
XetraHöchste Liquidität bei deutschen Aktien und großen ETFs, enge SpreadsEntgelte fallen an, meist ab knapp 2 EuroGrößere ETF-Orders und deutsche Standardwerte
TradegateLange Handelszeiten, keine Börsenentgelte, gute VerfügbarkeitVerdienst über den SpreadKleinere Orders, Handel außerhalb der Xetra-Zeiten
gettexKeine Makler- oder Börsengebühren, Handel von 8 bis 22 UhrAusschließlich SpreadSparpläne und kleine bis mittlere Orders
US-BörsenDirekter Zugang zu amerikanischen AktienHöhere Fremdspesen plus WährungsumrechnungNur bei Titeln ohne brauchbare europäische Notierung

Die Spreadunterschiede zwischen den elektronischen Plätzen liegen bei liquiden Werten oft im Bereich von ein bis zwei Basispunkten. Bei einer 200-Euro-Sparplanrate sind das Bruchteile eines Cents, bei einer 50.000-Euro-Order rund 5 bis 10 Euro.

Ordertypen und wozu sie taugen

Der Ordertyp ist das einzige Instrument, mit dem sich der Ausführungspreis beeinflussen lässt. Er kostet nichts und wird trotzdem von vielen Anlegern ignoriert - eine unlimitierte Order ist bequem, aber sie überlässt den Preis dem Markt.

Die gebräuchlichen Ordertypen im Überblick
OrdertypFunktionsweiseStärkeRisiko
MarketAusführung zum nächstmöglichen Kurs, ohne PreisgrenzeAusführung ist praktisch sicherDer Preis ist es nicht - bei dünnen Orderbüchern sind deutliche Abweichungen möglich
LimitAusführung nur bis zu einem festgelegten Höchstkurs beim Kauf, ab einem Mindestkurs beim VerkaufDer Preis ist gedeckeltDie Order kann unausgeführt bleiben oder nur teilweise ausgeführt werden
Stop-LossWird bei Erreichen einer Schwelle als unlimitierte Order aktivBegrenzt Verluste automatisch, auch bei AbwesenheitBei einer Kurslücke wird deutlich unter der Schwelle ausgeführt
Stop-LimitWird bei Erreichen der Schwelle als limitierte Order aktivVerhindert Ausführung zu RamschpreisenBei schnellem Fall keine Ausführung, die Position bleibt im Depot
Trailing-StopDie Stoppschwelle zieht mit steigendem Kurs automatisch nachSichert aufgelaufene Gewinne ohne manuelles NachziehenNormale Schwankungen lösen die Order vorzeitig aus
Fill-or-KillSofortige vollständige Ausführung oder LöschungKeine Teilausführungen mit mehrfachen SpesenHäufige Nichtausführung bei größeren Stückzahlen

Der Fall, in dem Stop-Loss versagt

Eine Aktie schließt bei 42 Euro, die Stoppmarke liegt bei 38 Euro. Über Nacht kommt eine Gewinnwarnung, die Eröffnungsauktion stellt den Kurs bei 29 Euro fest. Der Stop wird ausgelöst, ausgeführt wird bei 29 Euro - nicht bei 38. Die Schwelle ist ein Auslöser, keine Preisgarantie. Genau deshalb existiert die Stop-Limit-Variante, die dafür das umgekehrte Risiko trägt: Sie führt in diesem Fall gar nicht aus.

Für Anlegerinnen und Anleger mit langem Horizont ist das ein Argument, auf automatische Verkaufsschwellen ganz zu verzichten. Wer über zwanzig Jahre in einen Welt-ETF spart, hat von einem Stop-Loss nichts zu gewinnen: Er wird bei jedem größeren Rücksetzer ausgelöst und verkauft genau das, was danach die Erholung trägt.

Teilausführungen kosten doppelt

Wird eine limitierte Order über mehrere Tage in Teilen ausgeführt, verrechnen viele Institute die Spesen je Handelstag neu. Aus einer Order werden dann drei Abrechnungen. Wer limitiert handelt, sollte die Gültigkeit auf denselben Tag begrenzen oder in den Konditionen prüfen, wie Teilausführungen bepreist werden. Bei kleinen Ordervolumina frisst das den Vorteil des Limits auf.

Kapitel 5

Der Zinseszins wirkt auch auf Kosten

Ein Anleger spart 300 Euro monatlich, 30 Jahre lang, in einen Aktienfonds. Der Markt liefert 7 Prozent im Jahr. Bei laufenden Kosten von 0,20 Prozent stehen am Ende 338.167 Euro im Depot. Bei 1,50 Prozent sind es 267.278 Euro. Die Differenz beträgt 70.890 Euro - bei identischer Einzahlung von 108.000 Euro und identischer Marktentwicklung.

Der Betrag entspricht 65 Prozent der gesamten Einzahlung. Er entsteht nicht dadurch, dass 1,3 Prozentpunkte mehr Gebühr abgezogen werden, sondern dadurch, dass jeder abgezogene Euro dreißig Jahre lang keine Rendite mehr erwirtschaftet. Kosten verzinsen sich genauso wie Erträge, nur zu Lasten des Anlegers.

Depotwert nach Jahren: 0,20 Prozent gegen 1,50 Prozent laufende Kosten

300 Euro monatlich, 7 Prozent Marktrendite vor Kosten, 30 Jahre

0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 300.000 350.000 Jahr 0 5 10 15 20 25 30 0,20 % Kosten: 338.167 € 1,50 % Kosten: 267.278 € Einzahlung: 108.000 € Eigene Berechnung, monatliche Verzinsung, ohne Steuer und Ordergebühren 0,20 % Kosten 1,50 % Einzahlung 108.000 € 0 100k 200k 300k 0 8 16 24 30 Jahre 338.167 € 267.278 € Eigene Berechnung, ohne Steuer

Berechnung mit monatlicher Sparrate und monatlicher Verzinsung. Marktrendite vor Kosten in beiden Fällen 7 Prozent pro Jahr. Ohne Kapitalertragsteuer, ohne Ordergebühren.

Sparplan mit Kosten und Steuer

Endwert, eingezahlter Betrag und der Anteil, den laufende Kosten und KESt kosten

Vor Kosten und vor Steuer

Eingezahlt in 30 Jahren108.000 €
Depotwert vor Steuer338.167 €
Davon Wertzuwachs230.167 €
Kapitalertragsteuer-63.296 €
Was Kosten gekostet haben-12.668 €
Am Ende verfügbar274.871 €

Vereinfachtes Modell mit konstanter Rendite und monatlicher Verzinsung. Die Steuer wird auf den gesamten Gewinn am Laufzeitende angesetzt; ausschüttungsgleiche Erträge während der Laufzeit bleiben unberücksichtigt und verschieben die Steuerlast in der Praxis nach vorne.

Was die Zahl nicht sagt

Eine konstante Rendite von 7 Prozent gibt es an keinem Kapitalmarkt. Der Wert ist ein Rechenmittelwert, der die tatsächliche Reihenfolge der Jahre ignoriert - und die Reihenfolge ist für jemanden, der einzahlt, sogar günstig: Wer in einem schwachen Jahrzehnt spart, kauft billiger ein. Für jemanden, der entnimmt, ist sie das Gegenteil.

Die Kostenrechnung selbst bleibt davon unberührt. Sie ist der einzige Teil der Gleichung, der sicher ist. Die Marktrendite ist eine Annahme, die Kostenquote steht im Verkaufsprospekt. Deshalb ist der Kostenvergleich der einzige Hebel, der garantiert wirkt.

Kapitel 6

Rendite, Schwankung und der tiefste Punkt

Der MSCI World, der 1.280 Aktien aus 23 Industrieländern umfasst und rund 85 Prozent der frei handelbaren Marktkapitalisierung dieser Länder abdeckt, hat seit Ende 1987 annualisiert 9,08 Prozent pro Jahr geliefert. Über die vergangenen zehn Jahre waren es 13,56 Prozent, über fünf Jahre 11,71 Prozent - jeweils als Bruttoindex in US-Dollar, Stand 31. August 2026.

Diese Zahlen sind die Grundlage jeder Sparplanrechnung, und sie werden regelmäßig als Erwartungswert missverstanden. Sie sind ein Mittelwert über Jahre, die einzeln betrachtet sehr wenig mit ihm zu tun haben.

MSCI World: Jahresrenditen 2012 bis 2025

Bruttorenditen in US-Dollar, Angaben in Prozent

0 %
16,5
27,4
5,5
-0,3
8,2
23,1
-8,2
28,4
16,5
22,4
-17,7
24,4
19,2
21,6
20122013201420152016201720182019202020212022202320242025

Quelle: MSCI World Index Factsheet (USD), Stand 31. August 2026. Bruttorenditen, das heißt Dividenden vor Quellensteuer reinvestiert. Für Anleger im Euroraum kommt die Wechselkursentwicklung hinzu, die einzelne Jahre deutlich verschiebt.

In den vierzehn Jahren gab es drei Verlustjahre und elf Gewinnjahre. Kein einziges Jahr lag in der Nähe des langfristigen Mittelwerts von rund 9 Prozent. Die Werte schwanken zwischen minus 17,7 und plus 28,4 Prozent. Ein Mittelwert beschreibt hier keinen typischen Verlauf, sondern nur das Ergebnis einer Aneinanderreihung.

Die Kennzahlen hinter der Schwankung

Risiko- und Renditekennzahlen des MSCI World, Stand 31. August 2026
KennzahlWertBedeutung
Rendite p. a. seit 31.12.19879,08 %Der lange Durchschnitt über mehr als 38 Jahre
Rendite p. a. über 10 Jahre13,56 %Deutlich über dem langen Schnitt, geprägt von einer außergewöhnlichen Dekade
Rendite p. a. über 5 Jahre11,71 %Enthält das Verlustjahr 2022
Standardabweichung 10 Jahre14,86 %Typische jährliche Streuung um den Mittelwert
Maximaler Rückgang-57,46 %31.10.2007 bis 09.03.2009, also 16 Monate Dauerverlust
Gewicht der zehn größten Titel26,61 %Über ein Viertel des Index in zehn Unternehmen, überwiegend Technologie
Dividendenrendite1,50 %Historisch niedrig, was auf hohe Bewertungen hindeutet
Kurs-Gewinn-Verhältnis23,20Erwartet auf Sicht von zwölf Monaten 18,55

Quelle: MSCI World Index Factsheet (USD), 31. August 2026. Standardabweichung auf Basis monatlicher Bruttorenditen.

Warum ein Rückgang von 50 Prozent nicht 50 Prozent Erholung braucht

Der maximale Rückgang von 57,46 Prozent ist die wichtigste Zahl der Tabelle, weil sie beschreibt, was tatsächlich auszuhalten war. Aus 100.000 Euro wurden 42.540 Euro. Und der Weg zurück ist länger als der Weg hinunter: Um von 42.540 wieder auf 100.000 zu kommen, braucht es ein Plus von 135 Prozent.

Diese Asymmetrie ist rein rechnerisch und wird beim Blick auf Renditeversprechen systematisch unterschätzt. Sie ist auch der Grund, warum eine Strategie, die in guten Jahren etwas weniger verdient, dafür aber in schlechten deutlich weniger verliert, langfristig vorne liegen kann.

Verlust und notwendige Erholung

Welcher Kursanstieg einen Rückgang wieder ausgleicht, und wie lange das bei angenommener Rendite dauert

57,46 % entspricht dem tiefsten Punkt 2007 bis 2009

Depotwert nach dem Rückgang42.540 €
Buchverlust57.460 €
Nötiger Anstieg zum Ausgleich+135,1 %
Dauer bei 9,0 % pro Jahr9,9 Jahre

Reine Rechenoperation ohne Prognosecharakter. Die tatsächliche Erholungsdauer nach 2009 betrug für den MSCI World rund vier Jahre bis zum alten Höchststand.

Die Asymmetrie von Verlust und Erholung
RückgangVerbleibender Wert von 100.000 €Nötiger Anstieg zum AusgleichDauer bei 9 % p. a.
-10 %90.000 €+11,1 %1,2 Jahre
-20 %80.000 €+25,0 %2,6 Jahre
-30 %70.000 €+42,9 %4,1 Jahre
-40 %60.000 €+66,7 %5,9 Jahre
-50 %50.000 €+100,0 %8,0 Jahre
-57,5 %42.540 €+135,1 %10,0 Jahre
-70 %30.000 €+233,3 %14,0 Jahre
-90 %10.000 €+900,0 %26,7 Jahre

Eigene Berechnung. Die Zeilen -57,5 Prozent entspricht dem historischen Tiefpunkt des MSCI World zwischen Oktober 2007 und März 2009.

Was Inflation von der Rendite abzieht

Die Kaufkraft ist der Maßstab, der zählt. In Österreich lag die Jahresinflation 2023 bei 7,8 Prozent, 2024 bei 2,9 Prozent und 2025 bei 3,6 Prozent. Für August 2026 weist die Schnellschätzung 3,2 Prozent aus.

Eine nominale Rendite von 3 Prozent bei 3,2 Prozent Inflation ist real negativ. Sparbücher und Termineinlagen haben in den Jahren der hohen Inflation reale Verluste produziert, obwohl der Kontostand stieg - und auf die nominalen Zinsen fielen zusätzlich 25 Prozent KESt an. Wer die reale Rendite ausrechnen will, muss deshalb dreimal abziehen: Kosten, Steuer, Inflation. In dieser Reihenfolge.

Rechenbeispiel: 10.000 Euro, ein Jahr, drei Abzüge

Ein Wertpapier steigt um 8 Prozent auf 10.800 Euro. Davon gehen ab:

  • Laufende Kosten 0,20 Prozent auf den durchschnittlichen Bestand: rund 21 Euro. Es bleiben 10.779 Euro.
  • KESt 27,5 Prozent auf den Gewinn von 779 Euro beim Verkauf: 214 Euro. Es bleiben 10.565 Euro.
  • Inflation 3,2 Prozent: In Kaufkraft des Vorjahres sind das 10.237 Euro.

Aus nominal 8 Prozent werden real 2,4 Prozent. Der Abstand ist kein Rechenfehler, sondern der Normalfall - und der Grund, warum ein Prozentpunkt weniger Kosten im Ergebnis so viel ausmacht.

Kapitel 7

Hebelprodukte, CFDs und die Zahl, die alles sagt

Gesetzlich vorgeschriebene Standardrisikowarnung

CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Zwischen 74 und 89 Prozent der Kleinanlegerkonten verlieren beim Handel mit CFD Geld. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Diese Spanne stammt nicht von Verbraucherschützern, sondern aus dem Beschluss der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde, mit dem der CFD-Vertrieb an Kleinanleger seit 1. August 2018 beschränkt ist. Jeder Anbieter muss zusätzlich seinen eigenen, quartalsweise neu berechneten Wert nennen. Diese anbieterspezifischen Zahlen liegen regelmäßig zwischen 70 und 85 Prozent.

Das Bemerkenswerte an dieser Kennzahl ist ihre Definition. Als Verlustkonto gilt ein Konto, dessen Summe aus realisierten und unrealisierten Nettogewinnen über zwölf Monate negativ ist, wobei sämtliche Entgelte, Gebühren und Provisionen mitgerechnet werden. Ein- und Auszahlungen bleiben außen vor. Es geht also nicht um Menschen, die einmal Pech hatten, sondern um Konten, die nach einem vollen Jahr im Minus stehen.

Was die ESMA-Regeln konkret vorschreiben

Die Beschränkungen betreffen ausschließlich Kleinanleger. Professionelle Kunden können sie durch eine Einstufung abwählen und verlieren damit den Schutz.

Vorgeschriebene Ersteinschüsse und die daraus folgenden Höchsthebel
BasiswertErsteinschussHöchsthebelVerlust der Margin bei
Hauptwährungspaare (USD, EUR, JPY, GBP, CAD, CHF untereinander)3,33 %30 : 13,3 % Kursbewegung
Große Aktienindizes, Gold, sonstige Währungspaare5 %20 : 15 % Kursbewegung
Sonstige Rohstoffe und Nebenindizes10 %10 : 110 % Kursbewegung
Einzelaktien und alles Übrige20 %5 : 120 % Kursbewegung
Kryptowährungen50 %2 : 150 % Kursbewegung

Quelle: ESMA, Beschluss zur Produktintervention bei Differenzgeschäften, Anhang I. Zu den benannten Hauptindizes zählen unter anderem FTSE 100, CAC 40, DAX, Dow Jones Industrial Average, S&P 500, NASDAQ, Nikkei 225, ASX 200 und EURO STOXX 50.

Dazu kommen drei weitere Auflagen. Der Margin-Glattstellungsschutz verpflichtet den Anbieter, offene Positionen zu schließen, sobald der Wert des Kontos unter die Hälfte des geforderten Ersteinschusses fällt. Der Negativsaldoschutz begrenzt die Haftung auf das eingezahlte Guthaben - eine Nachschusspflicht wie vor 2018 gibt es für Kleinanleger nicht mehr. Und Bonusprogramme, die zum Handel anreizen, sind verboten.

Hebel, Margin und Glattstellung

Wie viel Kapital eine gehebelte Position bindet und bei welcher Kursbewegung sie geschlossen wird

Nominalwert, nicht der Einsatz

Nominalwert der Position20.000 €
Erforderlicher Ersteinschuss1.000 €
Wirksamer Hebel20 : 1
Verlust bei 3,0 % Kursbewegung-600 €
Das sind vom Einsatz60,0 %
Glattstellung droht ab2,50 % Kursbewegung
Verbleibender Einsatz400 €

Ohne Finanzierungskosten, Spread und Kommission, die bei gehebelten Positionen täglich anfallen und das Ergebnis zusätzlich belasten. Reine Darstellung des Mechanismus, keine Handelsempfehlung.

Warum der Hebel die Zeit gegen sich hat

Eine gehebelte Position kostet Geld, solange sie offen ist. Der Anbieter finanziert den Teil, den der Anleger nicht eingezahlt hat, und verrechnet dafür einen Zinssatz, üblicherweise ein Referenzzins plus zwei bis drei Prozentpunkte, täglich abgerechnet. Bei einer Position von 20.000 Euro mit 1.000 Euro Einsatz laufen so schnell mehrere Euro pro Tag auf - bezogen auf den Einsatz sind das im Jahr zweistellige Prozentsätze, bevor sich der Kurs überhaupt bewegt hat.

Dazu kommt der Spread, der bei CFDs breiter ist als am Kassamarkt, weil er die Ertragsquelle des Anbieters darstellt. Und die Glattstellungsschwelle sorgt dafür, dass eine Position nicht bis zum theoretischen Totalverlust laufen kann, sondern deutlich früher geschlossen wird - oft in genau dem Moment, in dem eine kurzfristige Übertreibung wieder zurückläuft.

Die Kombination aus laufenden Kosten, breitem Spread und automatischer Glattstellung erklärt die Verlustquote besser als jede Aussage über Anlegerpsychologie. Das Produkt ist so konstruiert, dass Zeit gegen den Halter arbeitet.

Positionsgröße statt Prognose

Wer trotzdem kurzfristig handelt, hat genau eine Größe unter Kontrolle: den Betrag, der pro Position im Feuer steht. Die verbreitete Konvention begrenzt den Verlust einer einzelnen Position auf ein bis zwei Prozent des Handelskapitals. Daraus ergibt sich die Stückzahl - nicht umgekehrt.

Positionsgröße aus dem Risiko

Wie viele Stück sich aus Kapital, Risikobudget und Abstand zur Verlustbegrenzung ergeben

Risikobudget je Position250,00 €
Abstand zur Verlustbegrenzung3,70 € bzw. 7,6 %
Kapitalbindung der Position3.250 €
Anteil am Handelskapital13,0 %
Stückzahl67

Ohne Spesen und ohne Berücksichtigung von Kurslücken, bei denen die Ausführung unter der gesetzten Schwelle erfolgt und der tatsächliche Verlust höher ausfällt. Keine Handelsempfehlung.

Der steuerliche Nebeneffekt kurzfristigen Handels

Jeder realisierte Gewinn löst sofort 27,5 Prozent KESt aus. Wer eine Position zwanzigmal im Jahr dreht statt sie zu halten, versteuert zwanzigmal - und der versteuerte Betrag arbeitet nicht weiter. Ein Buy-and-hold-Depot verschiebt die Steuer bis zum Verkauf und lässt den Steueranteil bis dahin mitlaufen. Über lange Zeiträume ist dieser Stundungseffekt ein realer Renditevorteil, der in keiner Gebührentabelle auftaucht.

Kapitel 8

Was passiert, wenn der Anbieter ausfällt

Wertpapiere im Depot sind Eigentum des Kunden. Die Bank verwahrt sie nur, sie gehören nicht zur Insolvenzmasse. Fällt das Institut aus, werden die Papiere auf ein anderes Depot übertragen. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen einem Wertpapierdepot und einem Sparbuch - und der Grund, warum die Höhe der Einlagensicherung für den Depotwert keine Rolle spielt.

Absicherungsbedarf besteht an zwei anderen Stellen. Erstens beim Guthaben auf dem Verrechnungskonto, das eine gewöhnliche Einlage ist. Zweitens für den Fall, dass die Wertpapiere aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht herausgegeben werden können, etwa weil sie nicht ordnungsgemäß getrennt verwahrt wurden.

Sicherungssysteme in Österreich
WasUmfangGilt fürRechtsgrundlage
Wertpapiere im DepotvollständigAktien, Anleihen, Fondsanteile, ETFs - sie bleiben Eigentum des Kunden und werden übertragenDepotgesetz, kein Sicherungssystem nötig
Einlagensicherung100.000 €Guthaben auf Verrechnungs- und Girokonto, je Person und InstitutESAEG, in bestimmten Fällen zeitlich befristet bis 500.000 €
Anlegerentschädigung20.000 €Ansprüche aus Wertpapierdienstleistungen, wenn Papiere nicht zurückgegeben werden könnenESAEG, bei nicht natürlichen Personen 90 Prozent der Forderung

Quellen: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG), insbesondere § 47 zur Begrenzung bei nicht natürlichen Personen; Angaben der Kreditinstitute zur Einlagensicherung.

Woran ein zugelassener Anbieter erkennbar ist

Jedes Institut, das in Österreich Wertpapierdienstleistungen erbringt, braucht eine Konzession - entweder von der Finanzmarktaufsicht oder, im Rahmen des europäischen Passes, von der Aufsicht seines Heimatlandes mit Notifikation an die FMA. Die FMA führt darüber eine öffentlich abfragbare Unternehmensdatenbank.

Daneben veröffentlicht die FMA eine Warnliste mit Anbietern, die ohne Berechtigung tätig sind. Der Blick in beide Verzeichnisse dauert zwei Minuten und ist der einzige verlässliche Test. Werbeaussagen, Auszeichnungen und Bewertungsportale ersetzen ihn nicht.

Die wiederkehrenden Muster bei unseriösen Angeboten

Kontaktaufnahme über Messenger oder Social Media mit Bildern von Renditen. Ein persönlicher Betreuer, der beim Handel hilft. Renditeversprechen ohne Verlustmöglichkeit. Eine Handelsoberfläche, in der die Gewinne wachsen, aber jede Auszahlung an einer neuen Bedingung scheitert - Steuervorauszahlung, Gebühr, Verifizierung. Eine Firmenanschrift ohne Konzession im Register. Und Druck: befristete Angebote, Nachschussaufforderungen, Anrufe zur Unzeit. Kein zugelassenes Institut arbeitet so.

Kostentransparenz nach MiFID II

Seit der europäischen Finanzmarktrichtlinie müssen Wertpapierfirmen die Kosten einer Dienstleistung vor Abschluss ausweisen und einmal jährlich eine Aufstellung der tatsächlich angefallenen Kosten liefern - in Euro, nicht nur in Prozent, und einschließlich der Produktkosten des Fonds.

Diese jährliche Aufstellung ist das ehrlichste Dokument im ganzen Depot. Sie zeigt in einer Zahl, was das Jahr gekostet hat, inklusive aller Posten, die sonst in Prozentangaben verschwinden. Wer sie einmal gegen die eigene Wertentwicklung hält, braucht keinen weiteren Vergleichsartikel.

Kapitel 9

Depot eröffnen, wechseln, führen

Die Eröffnung

Sie dauert bei den Onlineanbietern zwischen zehn Minuten und drei Werktagen. Nötig sind ein amtlicher Lichtbildausweis, eine österreichische Steueridentifikation über die Sozialversicherungsnummer und ein Referenzkonto. Die Identitätsprüfung läuft per Videoident oder über die ID Austria.

Bei der Eröffnung ist ein Fragebogen zu Kenntnissen und Erfahrungen auszufüllen, den MiFID II vorschreibt. Er ist keine Formalität: Die Antworten bestimmen, welche Instrumente freigeschaltet werden. Wer angibt, keine Erfahrung mit Derivaten zu haben, bekommt keine Optionsscheine ins Depot - eine Beschränkung, die sich später ändern lässt, aber sinnvollerweise erst dann, wenn die Erfahrung tatsächlich vorliegt.

Der Wechsel

Ein Depotübertrag innerhalb Österreichs ist kostenlos und steuerneutral. Die abgebende Bank überträgt die Papiere samt Anschaffungsdaten, die aufnehmende Bank führt die Anschaffungskosten fort. Der Vorgang dauert typischerweise ein bis drei Wochen; in dieser Zeit sind die übertragenen Positionen nicht handelbar.

Drei Punkte entscheiden über einen reibungslosen Ablauf:

  • Der Antrag läuft über die aufnehmende Bank. Sie fordert die Papiere an. Ein Antrag bei der abgebenden Bank verzögert nur.
  • Bruchstücke aus Sparplänen werden oft nicht übertragen. Sie müssen vorher verkauft werden - und lösen dabei Steuer aus.
  • Der Verlusttopf wandert nicht mit. Wer im laufenden Jahr Verluste realisiert hat, verliert die automatische Gegenrechnung mit späteren Gewinnen beim neuen Institut. Ein Wechsel zu Jahresbeginn vermeidet das.

Kommt das Depot aus dem Ausland, gilt zusätzlich die seit 1. Juli 2026 bestehende Meldepflicht binnen eines Monats. Ohne diese Meldung wird der Übertrag steuerlich wie ein Verkauf behandelt.

Was im laufenden Betrieb Geld spart

Kleine Entscheidungen mit messbarer Wirkung
EntscheidungWirkungGrößenordnung
Sparplanrate erhöhen statt Intervall verkürzenEine Ausführung im Monat statt zwei halbiert die Ausführungskostenbei 1 € je Ausführung 12 € im Jahr
Limit statt Market bei marktengen TitelnVerhindert Ausführung im ausgedünnten Orderbuch0,5 bis 2 % des Ordervolumens
Handel zwischen 9:30 und 17:00 UhrEngere Spreads durch höhere Liquidität0,1 bis 0,5 % je Order
ETF in Euro statt in FremdwährungVermeidet den Umrechnungsaufschlag bei Kauf und Verkauf0,25 bis 1 % je Richtung
Verlustpositionen vor Jahresende prüfenNutzt den Verlustausgleich, der zum 31. Dezember verfällt27,5 % des ausgeglichenen Betrags
Depotwert unter der Gebührenschwelle haltenBei gestaffelten Depotgebühren kann ein Zweitdepot günstiger sein0,12 bis 0,216 % des übersteigenden Werts

Der Fehler, der am meisten kostet

Er hat mit Gebühren nichts zu tun. Es ist der Verkauf im Rückgang. Wer im März 2009 verkauft hat, hat aus einem Buchverlust einen realisierten gemacht und die anschließende Erholung nicht mitgenommen. Der maximale Rückgang von 57,46 Prozent im MSCI World war nach etwa vier Jahren aufgeholt - für alle, die investiert geblieben sind.

Das ist kein Appell zum Durchhalten um jeden Preis, sondern eine Frage der Planung: Wer Geld anlegt, das er in zwei Jahren braucht, wird bei einem Rückgang verkaufen müssen. Die Entscheidung fällt also nicht im Rückgang, sondern bei der Frage, welcher Betrag überhaupt in den Aktienmarkt geht. Alles, was innerhalb weniger Jahre gebraucht wird, gehört nicht dorthin - unabhängig davon, wie günstig die Order ist.

Kapitel 10

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Kapitalertragsteuer auf Aktiengewinne in Österreich?

27,5 Prozent auf Kursgewinne und Dividenden. Zinsen aus Sparbüchern, Termineinlagen und Anleihen werden mit 25 Prozent besteuert. Einen Freibetrag gibt es nicht, anders als in Deutschland mit dem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro.

Was bedeutet steuereinfach bei einem Broker?

Der Anbieter berechnet die Kapitalertragsteuer bei jedem Verkauf und jeder Dividende selbst, führt sie ans Finanzamt ab und verrechnet Verluste desselben Jahres automatisch gegen. Die Erträge müssen dann nicht in die Einkommensteuererklärung. Voraussetzung ist ein Sitz oder eine Niederlassung in Österreich. Trade Republic, Flatex Österreich, DADAT, die easybank sowie die Erste Bank und die Sparkassen erfüllen das; Interactive Brokers und Scalable Capital nicht.

Kann ich Verluste aus einem Jahr ins nächste mitnehmen?

Nein. Der Verlustausgleich funktioniert nur innerhalb desselben Kalenderjahres. Am 31. Dezember nicht genutzte Verluste verfallen. Ein Verlustvortrag wie im betrieblichen Bereich ist für Privatanleger nicht vorgesehen.

Was sind ausschüttungsgleiche Erträge?

Erträge, die ein thesaurierender Fonds nicht auszahlt, die aber trotzdem jährlich besteuert werden. Nach § 186 InvFG 2011 zählen dazu die im Fonds vereinnahmten Zinsen und Dividenden sowie 60 Prozent der realisierten Substanzgewinne. Bei einer inländischen Depotbank wird die Steuer vom Verrechnungskonto abgebucht, auch wenn kein Verkauf stattgefunden hat. Die versteuerten Beträge erhöhen die Anschaffungskosten und mindern die Steuer beim späteren Verkauf.

Was kostet eine Order über 5.000 Euro?

Über die Wiener Börse zwischen 0,99 Euro bei einem Fixpreisanbieter und 13,49 Euro bei einer Bank mit Grundgebühr und Prozentsatz. Bei Trade Republic sind es 2 Euro, weil zur Order von 1 Euro die Fremdkostenpauschale von 1 Euro kommt. Entscheidend ist neben der Provision die Höhe der Fremdspesen, die je Börsenplatz unterschiedlich ausfallen.

Brauche ich ein Depot bei einer österreichischen Bank?

Rechtlich nicht. Ein Depot bei einem in der EU zugelassenen Anbieter ist zulässig. Steuerlich macht es einen erheblichen Unterschied: Bei einem ausländischen Anbieter ohne österreichische Abzugsverpflichtung müssen sämtliche Kapitalerträge selbst in die Steuererklärung eingetragen werden, üblicherweise über die Beilage E 1kv.

Was passiert mit meinen Aktien, wenn der Broker insolvent wird?

Wertpapiere im Depot sind Eigentum des Kunden und gehören nicht zur Insolvenzmasse. Sie werden auf ein anderes Depot übertragen. Guthaben auf dem Verrechnungskonto sind über die Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Person und Institut geschützt. Für den Fall, dass Wertpapiere nicht herausgegeben werden können, greift die Anlegerentschädigung bis 20.000 Euro.

Wie viele Menschen in Österreich besitzen Wertpapiere?

Rund 31 Prozent der Wohnbevölkerung ab 16 Jahren, das entspricht etwa 2,4 Millionen Menschen. Investmentfonds und ETFs halten 24 Prozent, Aktien 18 Prozent, Anleihen 11 Prozent. Die Zahl stammt aus dem Aktienbarometer 2026 der Industriellenvereinigung, des Aktienforums und der Wiener Börse.

Sind Altbestände aus der Zeit vor 2011 steuerfrei?

Kursgewinne aus Aktien und Fondsanteilen, die bis zum 31. Dezember 2010 erworben wurden, unterliegen nicht der Substanzbesteuerung. Bei Anleihen gilt der 31. März 2012. Dividenden und Ausschüttungen dieser Papiere sind trotzdem steuerpflichtig. Bei Erbschaft oder Schenkung bleibt die Eigenschaft als Altbestand erhalten.

Was muss ich beim Depotübertrag aus dem Ausland beachten?

Seit 1. Juli 2026 muss die Übertragung binnen eines Monats selbst dem Finanzamt gemeldet werden, mit Angabe der übertragenen Wertpapiere, ihrer Anschaffungskosten und der aufnehmenden Stelle. Wird die Frist versäumt, gilt der Übertrag als steuerpflichtige Veräußerung; das lässt sich nachträglich nicht mehr beseitigen.

Wie hoch ist der maximale Hebel bei CFDs?

Für Kleinanleger gilt seit 1. August 2018 eine Staffelung nach Basiswert: 30:1 bei Hauptwährungspaaren, 20:1 bei großen Aktienindizes und Gold, 10:1 bei sonstigen Rohstoffen, 5:1 bei Einzelaktien und 2:1 bei Kryptowährungen. Dazu kommen Glattstellungsschutz bei 50 Prozent des Ersteinschusses, Negativsaldoschutz und ein Bonusverbot.

Lohnt sich ein Sparplan trotz Ausführungsgebühr?

Die Ausführungsgebühr ist ins Verhältnis zur Rate zu setzen. Ein Euro auf 50 Euro Rate sind 2 Prozent, ein Euro auf 300 Euro Rate sind 0,33 Prozent. Bei kleinen Raten ist ein gebührenfreier Sparplan deutlich im Vorteil, bei größeren Raten fällt der Unterschied kaum ins Gewicht. Wer die Rate verdoppelt und dafür nur jeden zweiten Monat ausführt, halbiert die Gebührenquote bei gleicher Sparleistung.